Lesekompetenz und Leselust sind wichtige Elemente unserer Gesellschaft. Der Deutsche Kinderbuchpreis wurde ins Leben gerufen, um bei Kindern die Lust am Lesen zu wecken und zu stärken. Zusätzlich soll er kreativen Schreiber:innen und Illustrator:innen einen weiteren Anreiz bieten, sich mit dem Thema Kinderbuch auseinanderzusetzen und so die Vielfalt und den Ideenreichtum in diesem sehr wichtigen literarischen Segment zu steigern. Der Deutsche Kinderbuchpreis gehört sowohl national als auch international zu den höchstdotierten Buchpreisen.
Der Deutsche Kinderbuchpreis verfolgt ausschließlich gemeinnützige Ziele. Er zeichnet Kinderbücher für die leseprägende Alterszielgruppe zwischen sechs und acht Jahren aus. Der Preis wird jeden Herbst verliehen und ist damit ein fester und verlässlicher Bestandteil des literarischen Jahres in Deutschland. Er wurde im Jahr 2020 erstmalig verliehen. Die Preisverleihung findet jedes Jahr in einer anderen Stadt und in einem anderen Bundesland statt.
Die Gewinner
„Eine Oma für alle Fälle“ von Christian Wichmann ist der Gewinner des Deutschen Kinderbuchpreises 2026. Bei der Preisverleihung in Stuttgart wurde Christian Wichmann mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Entschieden haben darüber die 32-köpfige Kinderjury mit jungen Leserinnen und Lesern aus allen 16 Bundesländern. Diese hat die zehn nominierten Bücher gelesen und bewertet – und „Eine Oma für alle Fälle“ zu ihrem Favoriten gekürt.
Im Mittelpunkt von „Eine Oma für alle Fälle“ steht der achtjährige Edgar, dessen geordnetes Leben durch seine neue Nachbarin Frau Koschitz gehörig durcheinandergewirbelt wird. Während Edgar eher vorsichtig und zurückhaltend ist, begegnet ihm Frau Koschitz mit unbändiger Lebensfreude und jeder Menge ungewöhnlicher Ideen. Aus den beiden Gegensätzen entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft, die sie von einem Abenteuer ins nächste führt. Christian Wichmann erzählt warmherzig und mit viel Humor von Freundschaft über Generationen hinweg und vom Mut, sich auf andere Menschen und Neues einzulassen. Kurze, lebendige Episoden mit Illustrationen von Julia Christians machen die Geschichte sowohl zum Vorlesen als auch für erste eigene Leseerfahrungen zugänglich.
Auch Platz zwei und drei überzeugen die Kinderjury
Beim Deutschen Kinderbuchpreis stehen nicht allein die Erstplatzierten im Rampenlicht. Den zweiten Platz belegt in diesem Jahr „Vier Viertel und ein Haufen Chaos“ von Constanze von Kitzing mit Cally Stronk. Auf Platz drei wählte die Kinderjury „Knallharte Steinzeit: Kleines Mammut, große Gefahr“ von Rüdiger Bertram und Saskia Gaymann.
Damit zeigt sich auch in diesem Jahr die große Bandbreite der aktuellen Kinderliteratur: Unterschiedliche Geschichten, Figuren und Erzählweisen schaffen Zugänge zum Lesen und laden Kinder dazu ein, neue Welten und Perspektiven zu entdecken.
Sonderpreis Illustration
Der Sonderpreis Illustration geht 2026 an Leo Timmers für „Kiki und ich“
„Kiki und ich“ erzählt von der besonderen Freundschaft zwischen einem Mädchen und seinem Pferd – vom gemeinsamen Großwerden, von Verbundenheit und schließlich auch vom Loslassen. Leo Timmers verbindet dabei fein gezeichnete Schwarz-Weiß-Szenen mit farbenprächtigen Illustrationen und lässt die Bilder zu einem wesentlichen Teil der Erzählung werden. Gerade dieses Zusammenspiel verleiht der Geschichte ihre besondere emotionale Wirkung und zeigt eindrucksvoll, wie Illustrationen eine Geschichte nicht nur begleiten, sondern selbst weitererzählen können.
Mit dem Sonderpreis würdigt der Deutsche Kinderbuchpreis die besondere Bedeutung der Illustration für Kinderbücher. Bilder begleiten Kinder beim Lesen, erzählen Geschichten weiter und können gerade jungen Leserinnen und Lesern einen zusätzlichen Zugang zu Texten eröffnen.
Sonderpreis "Lesen macht Kinder stark"
Erstmals vergibt der Deutsche Kinderbuchpreis in diesem Jahr außerdem den Sonderpreis „Lesen macht Kinder stark“. Ausgezeichnet wird „Ich seh in dir, was du nicht siehst“ von Martin Fontanellaz mit Illustartionen von Anna Horak.
Tove ist überzeugt, kein besonderes Talent zu haben: Während andere scheinbar mühelos Fußball spielen, Schach beherrschen oder Musik machen, will ihm selbst nicht einmal ein einfacher Kartentrick gelingen. Erst bei einem abenteuerlichen Nachmittag mit anderen Kindern entdeckt er, dass Stärken ganz unterschiedlich aussehen können und manches Talent erst auf den zweiten Blick sichtbar wird. „Ich seh in dir, was du nicht siehst“ vermittelt auf warmherzige Weise, dass jedes Kind besondere Fähigkeiten besitzt und dass es sich lohnt, die eigenen Stärken und die der anderen wahrzunehmen. Damit stärkt die Geschichte Selbstvertrauen, gegenseitige Wertschätzung und das Gefühl, mit den eigenen Fähigkeiten Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Der Sonderpreis zeichnet ein Buch aus, das Kinder in ihrer persönlichen, emotionalen und sozialen Entwicklung stärkt. Im Mittelpunkt stehen Geschichten, die beispielsweise Selbstvertrauen fördern, Empathie wecken, neue Perspektiven eröffnen und Gemeinschaft erlebbar machen. Auch über diesen Sonderpreis haben Kinder entschieden.
Gratulation!
Jasmin Schröter, Initiatorin des Deutschen Kinderbuchpreises: „Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern von Herzen. Unser Gewinnerbuch zeigt auf wunderbare Weise, wie eine Geschichte Kinder fesseln, ihre Fantasie anregen und ihnen Lust aufs Weiterlesen machen kann. Genauso wichtig sind die Bilder: Gute Illustrationen eröffnen Kindern einen ganz eigenen Zugang zu Geschichten und erzählen oft weit über den Text hinaus. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir auch in diesem Jahr herausragende Illustrationskunst auszeichnen. Besonders wichtig ist mir, dass beim Deutschen Kinderbuchpreis die Kinder das entscheidende Wort haben. Mit dem Sonderpreis in diesem Jahr ‚Lesen macht Kinder stark‘ rücken wir darüber hinaus Geschichten in den Mittelpunkt, die Kinder ermutigen, ihnen neue Perspektiven eröffnen und sie in ihrer Entwicklung stärken.“
Auf der Shortlist des Deutschen Kinderbuchpreises 2026 standen:
Abenteuer in Müffel-Büffel – Hier stinkt’s gewaltig! (Katalina Brause)
Der Leuchtturmbär (Mathilde Stein)
Eine Oma für alle Fälle (Christian Wichmann)
Henriette Huckepack – Hokus Pokus Fidibus, was ist da im Museum los? (Andrea Lienesch)
Ich seh in dir, was du nicht siehst (Martin Fontanellaz)
Knallharte Steinzeit: Kleines Mammut, große Gefahr (Rüdiger Bertram)
Manno Monster und ich (Katja Reider)
Mister Marple und du: Hilfe, das Klassentier ist weg! (Sven Gerhardt)
Tom Tauber – Ratte der Lüfte (Hannah Schenk)
Vier Viertel und ein Haufen Chaos 1: Ein Zuhause für Loki (Cally Stronk & Constanze Kitzing)
(Quelle: Deutscher Kinderbuchpreis / Carlsen)
