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LUPE | BL&WH

Der Schatzgräber

von Johann Wolfgang von Goethe
Arm an Beutel, krank am Herzen
Schleppt ich meine langen Tage,
Armut ist die größte Plage
Reichtum ist das höchste Gut.
Und zu enden meine Schmerzen
Ging ich einen Schatz zu graben,
Meine Seele sollst du haben
Schrieb ich hin mit eignem Blut.
Und so zog ich Kreis um Kreise,
Stellte wunderbare Flammen
Kraut und Knochenwerk zusammen,
Die Beschwörung war vollbracht,
Und auf die gelernte Weise
Grub ich nach dem alten Schatze
Auf dem angezeigten Platze,
Schwarz und stürmisch war die Nacht.
Und ich sah ein Licht von weiten,
Und es kam gleich einem Sterne
Hinten aus der fernsten Ferne
Eben als es zwölfe schlug,
Und da galt kein Vorbereiten,
Heller wards mit einem male
Von dem Glanz der vollen Schaale
Die ein schöner Knabe trug.
Holde Augen sah ich blinken
Unter einem Blumenkranze,
In des Trankes Himmelglanze
Trat er in den Kreis herein
Und er hieß mich freundlich trinken,
Und ich dacht, es kann der Knabe
Mit der schönen lichten Gabe
Warlich nicht der Böse seyn.
Trinke Mut des reinen Lebens
Dann verstehst du die Belehrung
Kommst mit ängstlicher Beschwörung
Nicht zurück an diesen Ort.
Grabe hier nicht mehr vergebens
Tages Arbeit, Abendgäste,
Saure Wochen, frohe Feste
Sey dein künftig Zauberwort.
(im Jahre 1797)
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