*Linzer Next-Comic-Festival 2010 *
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19. Februar 2010 |
In ein paar Tagen findet also das zweite NEXT-Comic-Festival in Linz statt, und Gottfried Gusenbauer gibt sich wieder redlich Mühe dem geneigten Publikum ein interessantes Angebot zu machen. In der gesamten Stadt vom Pöstlingberg bis zum Ursulinenhof locken Veranstaltungen, Ausstellungen und Artverwandtes.
Nirgendwo sonst als hier bietet sich die Gelegenheit, quasi im Sammelpack, einen Überblick über die österreichische Comic-Szene zu erhalten.
Einige Persönlichkeiten, wie Gerhard Hader, Ulli Lust und Nicolas Mahler stechen natürlich mit handfesten Verlagswerken aus dem Gros heraus, doch auch die meisten anderen österreichischen Zeichner nutzten die Gelegenheit und präsentieren ihre kleinen, aktuellen Projekte. Signierstunden und ein Comic-Battle runden das Angebot ab.
Aus dem Pressetext:
Das NEXTCOMIC Festival ist in Östereich einzigartig!
Wir zeigen die Beziehung von Comics zu bildender
Kunst, Character Design, Architektur, Film
und Animation. Renommierte Kulturhäuser und
Galerien beteiligen sich auch dieses Mal wieder
am Festival und präsentieren ein geballtes
Programm!(...)
Generell darf als Zielpublikum wohl eher der erwachsene Leser angesehen werden. Die jugendlichen Cosplayer vom letzten Jahr sind aus dem Programm verschwunden; die Ausstellung "Märchen meets Manga" wurde in die Grotte des Pöstlingbergs verwünscht, ansonsten nur Erwachsenenthemen.
Umsomehr verwundert eine Art "Lucky Luke - Hühnchen" als Festival-Flyer-motiv. Als Eye-Catcher darf die Kinderliteratur von damals eben gerade noch herhalten.
Der Verlag Tokyopop präsentiert in einer Ausstellung den Sammelband "Peking - Zehn Gesichter einer Stadt". Für den europäischen Lesegenuss von links nach rechts mühsam ummontiert. In zehn Kurzgeschichten ist deutlich zu sehen, was im heutigen China an Regierungskritik gerade noch durch die Zensur geht.
Tonto, der grazer Comic-Zirkel präsentiert eine Ausstellung zu der im April erscheinenden Publikation TONTO-COMICS #12: NORDPOL.
Gezeigt wird der Status Quo des Druckwerkes als fortlaufendes Band an
die Wände affichiert, Originalarbeiten daraus und Materialien dazu.
Aus dem Pressetext:
Früher einmal waren die Mädchen bei Nacht in die verschneiten Berge
gefahren, um mit ihren Urinmarken zu beweisen, daß die Natur zu jeder
Jahreszeit die Farbe Gelb hervorbringt.(...)
Die Plattform ComicsGegenRechts, bekannt aus dem Internet, zeigt Beispiele seiner antifaschistischen Publikationen.
Das Linzer Comic-Magazin "Unkraut" zeigt eine Auswahl seines 12-jährigen Schaffens.
Til Mette , Stern-Cartoonist, ist Gast von Gerhard Haderer und signiert sein neues Buch "Ist er nicht ein feuchter Traum" (Lappan).
Der volle Umfang des Angebots ist dem Programm und dem Folder des Festivals zu entnehmen.
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| Gerhard Haderer | + |  |
| | Til Mette | + |  |
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Zum Abschluss noch ein Interview aus dem Folder des Festivals:
6 Fragen an Gerhard Haderer:
(gestellt von Gottfried Gusenbauer)
1.Das NEXTCOMIC Festival hat 2009 kulturell Wellen
geschlagen, wie denken Sie über das Festival?
NEXTCOMIC ist massgeschneidert für Linz. Das Kulturhauptstadtjahr
2009 hat der Stadt einen positiven Imageschub verschafft, so gesehen ist ein internationales Comic-Festival als Plattform für ZeichnerInnen,
als Ergänzung zu AEC und dem Filmforum Crossing
Europe, im Sinne der Nachhaltigkeit ein weiteres
Signal der lebendigen Kulturstadt Linz.
2. Haben Comics ihre Arbeit beeinflusst, wenn ja welche
und welche Arbeiten aus der bildenden Kunst
haben Sie sonst beeinflusst?
Selbstverständlich bin ich in meiner künstlerischen
Entwicklung ein Kind der Comic-Generation. In meiner
Jugend und Studienzeit wurden diese "Schundheftln"
vom Establishment mit aller Vehemenz
bekämpft und verteufelt. Das hat mich umso neugieriger
gemacht und mich schon sehr früh auf die
Spur der großen Zeichner wie Robert Crumb, Claire
Bretecher oder Hergé geführt. An Asterix mit den
grossartigen Texten von Rene Goscinny kam sowieso
niemand vorbei. Diese gezeichnete Literatur in Kombination
mit klassischer Malerei von Daumier bis
Spitzweg hat meinen persönlichen Stil geprägt.
3. Dieses Mal präsentieren Sie Ihren Zeichnerkollegen Til
Mette. Was fasziniert Sie an seiner Arbeit?
Til Mette ist eine konstante Größe im Kreis der
anspruchsvollen deutschsprachigen Cartoonisten.
Als Zeichner pflegt er einen sehr reduzierten Stil,
seine Kunst ist das bloße Andeuten von Portraits
und Szenarien, in diesem Stil ist er unerreicht.
Dazu noch sein bröseltrockener norddeutscher
Humor- wunderbar. Was uns beide verbindet, ist
neben der Tatsache, dass wir regelmässig für den
stern zeichnen, auch unsere gemeinsame Haltung
zu Themen aus Gesellschaft und Politik im Weitesten.
Obendrein sind Til Mette und ich auch Agnostiker,
das heißt, es ist uns schlicht und einfach
wurscht, ob jemand glaubt und woran jemand
glaubt, solange man uns nicht verbieten will, uns
über das Bodenpersonal der jeweiligen Religionen
auf das Köstlichste zu amüsieren.
4. Künstlerische Freiheit in der Zeichnung, und in der
Satire - Wie denken Sie darüber?
Satire darf alles, sagte Kurt Tucholsky. Jeder Versuch,
die Grenzen dieser Kunst weiter einzuschränken,
wie es speziell in Österreich in jüngster
Vergangenheit immer wieder versucht wurde, wie
etwa das lächerliche Auftrittsverbot für Sterman
und Grissemann in Kärnten, stellt einen Angriff
auf demokratische Grundrechte dar.
5. Wie sehen Sie MOFF, was bedeutet dieses Projekt für Sie?
MOFF. ist ein kleines, aber feines zeichnerisches und verlegerisches
Abenteuer für ein ganz spezielles Publikum. Ich halte es für absolut unersetzlich, denn in welchem Forum sonst
könnten etwa der Bul oder Herr Novak auftreten?
Na eben.
6. An welchem Projekt arbeiten Sie aktuell ?
Mein derzeit wichtigstes Projekt ist noch auf die Schnelle 32 Seiten
MOFF-strips zu zeichnen, denn wir haben bereits Mitte Dezember, und
ich habe vor, heuer Weihnachten zu schwänzen und fahre stattdessen irgendwohin baden. Ein wirklich nettes Vorhaben.
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