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Interview mit G. Gusenbauer Drucken E-Mail
Interviews | Veranstalter
Geschrieben von: kop   
Montag, den 30. Januar 2012

Gottfried Gusenbauer ist seit Kurzem Direktor des Karikaturmuseums in Krems, und löste damit Jutta M. Pichler ab.

Der Gründer des Linzer Comic-Festivals Next-Comic, das im März 2012 bereits zum vierten Mal stattfindet und dieses Jahr seinen Schwerpunkt auf Architektur und Comics legt, beantwortete uns freundlicherweise ein paar Fragen zu seiner neuen Position, und wie er sich die Zukunft des Museums vorstellt.

CI.: Hallo Gottfried, du bist seit Kurzem Direktor des Karikatur Museums Krems. Wie kam es dazu?

G.G.: Ich wurde vom Karikaturmuseum wegen einem anderen Projekt als Kurator angefragt, dann hab ich die Ausschreibung gelesen und habe mich beworben. Zuerst musste ich ein Konzept vorlegen, es folgte ein Auswahlverfahren mit einer unabhängigen Jury und einigen Bewerbern aus Kunst und Kultur - anschließend musste ich noch erfolgreich ein Assessment Center absolvieren. Nach dieser langen Prozedur wurde ich als Kanditat als Erster gereiht.

CI.: Welche administrativen Aufgaben hat der Direktor eines Karikatur-Museums?

Administrative Aufgaben sind ein großer Teil meiner Arbeit, im Besucherbereich, in der Pressearbeit, in Personalfragen, Mitarbeitergespräche natürlich die Kontakte mit anderen Künstlern und Museen.

CI.: Das Museum hatte ja bisher einen starken Bezug zu Deix, Ironimus und Sokol. Soll sich da etwas ändern? Warum (nicht)?

G.G.: Ja es hat einen starken Bezug, und es gibt aber auch viele Berührungspunkte mit anderen Disziplinen und Künstlern - Aber es kommt darauf an, welche neuen Bezüge man in ihrer Arbeit herstellt, welche unbekannten Seiten gezeigt werden. Beispielsweise bei Sokol zeigen wir im Herbst seine "American Natives", das sind unglaublich interessante Arbeiten, die er als junger Mensch 1959 in Amerika gezeichnet hat. Absolut sehenswert.

CI.: Zur Zeit läuft eine Ausstellung von Gerhard Haderers Werken. Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?

G.G.: Haderer hat im Rahmen einer Ausstellungs Tour verschiedene Aspekte seiner Arbeit mit verschiedenen Häusern bespielt. Unter Anderem das Kunstmuseum Lentos bis Klub der komischen Künste im MQ, und eben Krems - Es gab bisher noch keine MOFF Ausstellung - und ich finde die Ausstellung sehr gelungen, weil es ein guter Einstieg war in das "Universum" von MOFF.

CI.: Welche Pläne hast Du mit dem Museum?

G.G.: Mit meiner Ernennung zum Direktor war es auch klar , daß vor allem auch mein Konzept angenommen wurde. Ich möchte das Haus mehr und mehr für affine Disziplinen öffnen. Dazu gehören Comics und auch verstärkt Illustration. Wir zeigen ab März 2012 Janosch, ein sehr gutes Beispiel dafür, da Janosch nicht wirklich als Cartoonist bekannt ist, mehr als Kinderbuchautor und Schriftsteller. Wir zeigen neben seinen bekannten Bestsellern auch unbekanntere Aspekte von Janosch,zum Beispiel seine Zyklen zu Bukowski Gedichten.

CI.: Hast du beim Programm völlig freie Hand, oder musst du dich mit den Trägern abstimmen?

G.G.: Natürlich muss ich mich abstimmen, das ist doch klar, weil es letztendlich immer auch um die Finanzierbarkeit von Projekten geht. Außerdem soll mit der Zeit eine Linie erkennbar sein - ein Programm, das sowohl für den Karikaturen-Kenner, für den Comicfan und auch für den erstmaligen Besucher interessant sein kann. Mir ist es auch sehr wichtig, daß sich die Zeichnerszene in Österreich wiederfindet.

CI.: Neben der Plattform Lin-c und dem Festival Next-Comic betreust du nun auch ein Museum. Wenn ich davon ausgehe, daß der Posten eines Direktors ein Fulltime-Job ist, muss ich davon ausgehen, daß du dich in den anderen Bereichen zurückziehst? Wie soll es mit Next-Comic weitergehen?

G.G.: Ich leite NEXTCOMIC nicht mehr, das wäre unmöglich - Die Leitung und organisatorische Abwicklung übernimmt nun ein Team in Linz , die künstlerischen und produktionstechnischen Agenden übernehmen noch stärker die Ausstellungshäuser. Ich bleibe dem Festival als Programm-Beirat erhalten, und ich habe ja vor, daß sowohl NEXTCOMIC und Krems mehr zusammenarbeiten sollen. Mit der Zusammenarbeit haben wir schon 2011 begonnen, und so soll es weitergehen. Hoffentlich kann man NEXTCOMIC für Linz erhalten, es gibt viele positive Stimmen dafür.

CI.: Deine Frau ist ja ebenfalls künstlerisch tätig, und ünterstützt dich beispielsweise bei Lin-c. Wie trennst du Privates und Beruf? Du kommst ja aus Oberösterreich, pendelst Du täglich nach Krems?

G.G.: Meine Frau, meine Tochter und ich arbeiten nun in Krems, wir wohnen auch hier. Das war mir sehr wichtig, da ich vor Ort sein will.

CI.: Wie sieht's mit der Zeichner-Szene in OÖ aus? Gibt es da Stammtische oder Vereine, oder kocht da eher jeder sein eigenes Süppchen?

G.G.: Nein, wir kochen kein eigens Süppchen - die Leute die ich aus der Szene kenne, frage ich jedes Jahr, ob sie sich beteiligen wollen, interessanterweise kommen auch immer neue Leute dazu - es ist absolut interessant, daß sich immer mehr bildende Künstler aus OÖ nun auch mit Comics beschäftigen- ich denke da werden auch 2-3 dabei bleiben.

CI.: Wenn ich recht informiert bin, zeichnest du auch selbst. Wird es irgendwann eine Ausstellung DEINER Werke in Krems geben?

G.G.: Nein sicher nicht! ich werde weder im Karikatrumuseum Krems noch bei NEXTCOMIC ausstellen - mittlerweile kenne ich so viele gute Zeichnerinnen, daß ich echt Respekt vor deren Arbeit habe - und dafür braucht man Zeit - ich merke, daß ich Erfolg habe, um etwas für die Szene auf die Beine zu stellen - da steht meine Selbstverwirklichung als Zeichner ganz, ganz hinten an.

CI.: Ich danke für das Interview.

G.G.: Danke und alles Liebe


 

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