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Interview mit Anna-Maria Jung Drucken E-Mail
Interviews | Autoren
Geschrieben von: kop   
Samstag, den 17. September 2011

Anna-Maria Jung ist Jahrgang '84 und gebürtige Grazerin. Bekannt wurde sie spätestens durch ihre H.P. Lovecraft-Adaption "XOTH-Eine unaussprechliche Stadt!", erschienen im Zwerchfell Verlag.

Zurzeit lebt und arbeitet sie als freie Illustratorin in New York City .

 

 

 

 

 

CI: Hallo Anna-Maria! Wie lebt es sich als Österreicherin in New York?

Jung: Gut. Hat seine Vorteile un Nachteile – Österreich hat einfach besseres Essen und ist um einiges gemütlicher und leiser als NYC. Dafür werde ich hier ordentlich gefordert was Illustration angeht.

CI: Du bist ja in Graz aufgewachsen. Spielt(e) sich da comicmäßig überhaupt etwas ab?

Jung: Ja auf jeden Fall, sonst wäre ich wohl nicht so reingerutscht. Durch Jörg Vogeltanz un der Edition Prequel konnte ich damals mein erstes Comic veröffentlichen. Dann gibt es ja noch die Comictruppe Tonto und einige talentierte Künstler dort. Es könnte natürlich mehr los sein….

CI: Wie bist auf das Medium Comics gestoßen?

Jung: Als ich ca. vier Jahre alt war las ich ein Comic in Griechenland. Es war auf Griechisch und ich konnte nur die Bilder anschauen. Ich weiß nicht mal worum es ging, nur dass es mich faszinierte – ich glaube eine Art Eichhörnchen war der Hauptcharakter, oder war es ein Bär? Ich glaube von da an wurde ich mehr und mehr in die Sache hineingezogen.

Ich hab schon als Kind viele Comics gelesen, vor allem natürlich Lustige Taschenbücher. Bei Carl Barks ist mir zum ersten Mal aufgefallen, wie tiefgründig Comics sein können, und als ich dann auf die Simpsons und die amerikanische Comicszene stieß war es um mich geschehen

CI: Du hast später in Salzburg "Multi Media Arts" studiert. Welchen Eindruck hat die Schule auf dich hinterlassen?

Jung: Sie war wirklich sehr hilfreich, um erst mal einen guten Überblick über alles zu bekommen, was nicht viel mit zeichnen, sehr wohl aber viel mit allem drumherum zu tun hat: Computersoftware, Businesskonzepte, Bildsprache, etc. Ich halte es für sehr gut, dass ich Multi Media Arts studier habe – ich bin dadurch vielen anderen Illustratoren insofern voraus, dass ich meine Webseite selber bauen kann, ein 3D Programm benutzen kann und selbst einen Film schneiden kann, usw.

CI: Deinen ersten Comic ("Urbanity") hast im Grazer Verlag "Prequel" publziert, der ja junge Talente fördert. Wie kam es dazu?

Jung: Ich habe Jörg Vogeltanz, den Gründer von Prquel bei einer Comicpräsentation kennengelernt. Dort habe ich ihm meine Sachen gezeigt und er hat mir angeboten zu veröffentlichen. Ich durfte dabei machen was ich wollte. Totale Freiheit!

CI: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem "beinahe-oscar-Preisträger" Bill Plympton? Worum gings da? Wie arbeitet es sich mit ihm?

Jung: Ich musste ihm Rahmen meines Studium ein Praktikum machen und hab mich einfach bei ihm beworben – persönlich. Bin nach New York gereist und hab sein Studio besucht. Und so klappte es dann auch. Die Arbeit war toll – kreativ und ich wurde sogar bezahlt. Sein Team war sehr nett und ich bin auch in den Endcredits des Films!

CI: "XOTH-Eine unausprechliche Stadt" basiert ja auf den Texten von H.P. Lovecraft. Welchen Reiz macht das Lovecraft-Universum für dich aus?

Jung: Lovecrafts Geschichten haben mir immer sehr gefallen wegen den innovativen Horrorelementen, z.B. die „Unmöglichkeit“ der Kreaturen und der Alienarchitektur, den seltsamen Winkeln die Dimensionen öffnen, alles diente zur Untermalung der Hilflosigkeit der Wissenschaft und der Winzigkeit des Menschen gegenüber dem Universum.

Er war ein behüteter Junge der mit seiner Frau für einige Jahre nach New York City zog Anfang des 20.Jahrhunderts. Dort war er der Einwanderszene sehr negativ eingestellt und kombiniert mit dem Fakt, dass er keine Arbeit fand, züchtete das Hass und Ablehnung gegenüber Ausländern. Im Endeffekt war er ein kleiner, eingeschüchterter Junge in seinem Herzen. Die beste Art damit umzugehen, war für mich die Parodie ohne zu vergessen, dass sein Rassismus aus einer langen Geschichte von, unter anderem, Misserfolgen, Geisteskrankheit in der Familie, geringer Selbstschätzung und finanzieller Not entstanden ist.

CI: Dein Zeichenstil wirkt sehr "ligne claire". Welche Vorbilder hast du beim Zeichen? Wer hat dich beeinflusst?

Jung: Ich habe eine wirklich sehr lange Liste an Leuten, die mich beeinflusst haben. Aus der klassischen Kunst schätze ich ganz besonders die Werke der Romantik, Brueghel, William Turner und später Van Gogh, Goya und Illustratoren wie Gustav Dore. Ich liebe die französische Comicszene, Möbius, Trondheim, Sfar sind nur wenige davon. Die amerikanische Szene hat mich mit dem Stil der Stories beeinflusst, die in den 90er Jahren bei DC Vertigo erschienen sind. Concept Art für Filme sind momentan vielleicht meine größte Inspiration, vor allem Pixar.

CI: Inwieweit unterstützt dich der Computer bei deiner Arbeit?

Jung: Unumgänglich für meinen Prozess. Obwohl ich alles noch per Hand zeichne, coloriere ich alles am Computer. Außerdem ist sind die sozialen Netzwerke im Internet unglaublich wichtig für mich um meine Arbeit bekannt zu machen.

CI: Du schreibst deine Texte selbst. Wie gehst du ans Schreiben heran?

Jung: Ich schreibe nicht sehr oft, aber wenn ich es tue dann versuch ich mein Wissen einzusetzen dass ich durch Filme schauen und Bücher lesen usw. gesammelt habe. Meine Art zu schreiben ist glaub ich recht traditionell im Sinne von Spannungsbogen: Akt 1, Akt2, Akt 3 und die typischen „Heroes Journey“ Elemente. Die Story für Comics macht für mich 50% von dessen Qualität aus, wenn nicht mehr.

CI: Viele deiner Comichelden sind rothaarig - wie du selbst. Steckt da noch anderes Autobiographisches in deinen Helden/Heldinnen?

Jung: Na klar! Alles total autobiographisch. Wir alle basieren unsere Helden doch auf uns selbst, oder? Naja, ich find rote Harre einfach toll. In vielen Geschichten haben die Antihelden rote Haare. Es ist eine typische nerd/loser Farbe in Geschichten. Und Antihelden sind meine Lieblinge. Charakter, die ihre Probleme durch reden lösen, durch List, der klassische „ehrenwerte Dieb“, der liebenswerte Loser und dergleichen. Natürlich sind meine Frauen immer „kick-ass“ weil ich davon gerne mehr in den Medien sehen würde.

CI: Du gingst 2009 nach New York. Warum? Wie kam es dazu?

Jung: Beim Praktikum in NYC hab ich mich in die Stadt verliebt und beschlossen mich für das sogenannte Fulbrightstipendium zu bewerben. War ein anstrengender Prozess, aber es hat geklappt. Ich wurde finanziell unterstützt im ersten Jahr und das darauf folgende hab ich mir selbst finanziert.

CI: In letzter Zeit verstärkst du dich zunehmend auf's T-Shirt Design. Was sind dabei die Besonderheiten im kreativen Prozeß?

Jung: Man muss völlig anders denken als bei normaler Illustration oder Comics. Es sind nur wenig Farben erlaubt wegen der Siebdrucktechnik (normalerweise 6-8 Farben), das heißt man muss Wege finden um mit wenig Farben viel auszudrücken. Die Idee muss klar sein und dem Betrachter ein Gefühl der Vertrautheit geben. Man muss die Sprache des Käufers lernen – und vor allem im amerikanischen Markt ist das anders als im europäischen. Man sollte sich mit Populärkultur beschäftigten und Bildsymbolen die Menschen verstehen. Dabei sollte man seinen eigenen Stil nicht aufgeben. Es hat gedauert, bis ich das alles kapiert hab, aber inzwischen geht’s ganz gut.

CI: Wo kann ich sie kaufen?

Jung: Alle Infos finden sich auf jung-shirts.com oder meiner facebook fanpage

CI: Sind in naher Zukunft Comic-Book Projekte geplant? Wie sehen deine Pläne aus?

Jung: Ich arbeite gerade an einer großen Kollaboration mit zwi Freunden in Amerika. Wir planen ein Fantasy-Horror Comic zusammen und haben schon einige Seiten. Das alles wird aber noch ein wenig dauern. Mehr infos dazu gibt es auf meinem Blog.

CI: Ich danke für das Interview.


 

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