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H. C. Artmann Comic Drucken E-Mail
Interviews | Autoren
Geschrieben von: kop   
Donnerstag, den 28. April 2011

H(ans) C(arl) Artmann wäre heuer 90 Jahre alt geworden. Zeitgleich erscheint dieser Tage der Comicband "H.C.Artmann" von Walter Fröhlich im Milena Verlag. Sieben Gedichte des Meisters werden dabei von Fröhlich zu Comic-Kurzgeschichten verarbeitet. Alle aus dem klassischen Gedichtband „med ana schwoazzn dintn“. Wir stellten dem Zeichner Walter Fröhlich per email ein paar Fragen zum Buch.

H.C. Artmann ist ja vor allem als Dichter bekannt. Wie erging es dir dabei Lyrik für das Medium Comic umzusetzen?

Eigentlich gingen mir die meisten Gedichte recht gut von der Hand. Gerade Gedichte lassen einem ja jede Menge Interpretationsmöglichkeiten. Oft beschreibt der Dichter ja nur eine Stimmung oder eine Emotion, und was der Leser daraus macht, ist natürlich von der momentanen Stimmung des Lesers abhängig. Diese Gedichte vom Artmann bekamen jetzt eine ganz andere Bedeutung als vor fast 20 Jahren, als ich sie zum ersten Mal gelesen habe. Harte Nüsse waren "wos unguaz" und "dea schdrenge hea onkl...".

Wie ist der Band angelegt? Hast du neues dazuerfunden?

Dazuerfunden nicht, aber wie schon vorher gesagt, hab' ich meine eigenen Geschichten zu den Texten von Artmann erzählt. Manche meiner Comics, so wie bei "I bin hoid a Schdiafkind" scheinen zwei parallel laufende Geschichten zu erzählen. Der Typ in meinem Comic möchte eigentlich nur einen Weihnachtsbaum klauen, stellt sich aber derart ungeschickt an, daß es ein Witz ist. Davon ist in Artmanns Gedicht nie die Rede, aber der Text passt trotzdem zu dieser Person und zu dieser Situation.

Die 50er Jahre, in denen die Verse erstmals veröffentlicht wurden, sind ja schon lange vorbei. Gab es Schwierigkeiten mit der Aktualität?

Von der Thematik her überhaupt nicht. "wos unguaz" lässt sich in fast jeder Partnerschaft feststellen und dass es Fraunmöada und Kindafazara auch heut noch gibt, darüber brauchen wir jetzt hier nicht reden. Woran ich aber lang gearbeitet habe, war der Zeichenstil für diese Art von Geschichten. Der Strich soll ja zum Text passen. Wenn ich da z.B. im funny-style gearbeitet hätte, wäre die ganze Stimmung futsch gewesen. Zu realistisch wäre allerdings etwas "dokumentarisch" und hätte vielleicht sogar hölzern gewirkt. Dieser flotte, semi-realistische Stil den ich für dieses Buch entwickelt habe, passt zur Stimmung dieser Gedichte. Er bildet mit Artmanns Texten eine schöne Einheit.

Die Gedichte sind ja nicht gerade leicht verdaulich. Comics gelten aber in Österreich oft noch als Kinderliteratur. Willst du dagegen antreten?

Warum? Comics sind ja Kinderkram! Genauso wie Film, Literatur, Musik oder was weiß ich was. Comics sind natürlich auch anspruchsvolle Lektüre für Erwachsene. Da gibt es, wie wir "Informierten" wissen, eine riesige Bandbreite. Von absolutem Schund bis zu hoher Kunst ist alles möglich. Aber frag mich jetzt bitte nicht, wer definiert was Kunst ist. Darüber müssen sich andere Gedanken machen aber sicher nicht ich. Ich bin nur Künstler.

Artmann hatte eine Neigung zu Comics. Wusstest du, daß er 1999 den Asterixband "...als Legionär" ins Wienerische übersetzt hat?

Ja klar. In seinen Gedichten hat er ja auch Micky, Donald, Superman und Kollegen verarbeitet. Ich denke mal, der Artmann hatte die Größe, um sich comiclesend in der Öffentlichkeit zu zeigen und war keiner, der seine Autorität dadurch in Frage gestellt gesehen hätte. Ich hab ja oft den Eindruck, daß manche Künstler oder noch viel mehr diese "Kunstmarktmenschen", wie sie der Hrdlicka mal genannt hat, extreme Angst haben ihren Hochkultur-Anspruch zu verlieren, wenn sie sich mit etwas Trivialem abgeben. Dafür reicht ihr Selbstbewusstsein oder der Glaube an ihre Kunst nicht. Eigentlich schade. Anderseits ist es zur Zeit ja ziemlich schick, alles und jedem dem Stempel "Comic" aufzudrücken. Allerdings nur so lange nicht wirklich Comic drinnen ist.

"Kindafazara" ist ja ein beispielsweise kurzes Gedicht. Wieviele Seiten hast du dafür verwendet?

6 Seiten.

Wann erscheint der Band? Wo kann ich ihn kaufen?

Der Band wird am 5. Mai 2011 (20 Uhr) im Weinhaus Sittl präsentiert, und ist dann in allen Buchhandlungen, die die Vertreter des Milena-Verlages besucht haben, zu haben. Oder noch besser, ihr bestellt ihn einfach auf der Kriminal Journal Seite.

Ich danke für das Interview.

AMAZON: "H. C. Artmann: 7 Gedichte"


 

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