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Karikatur im Parlament Drucken E-Mail
Events | Österreich
Geschrieben von: kop/pressetext   
Montag, den 23. Januar 2012

Das Parlament öffnet bereits seit geraumer Zeit seine Ausschusslokale für zeitgenössische Kunst. In den vergangenen beiden Jahren rückte Kuratorin Stella Rollig Zeichnung und Fotografie in den Vordergrund. Ab sofort zieren allerdings Zeichnungen ganz besonderer Art die Wände in den Ausschusslokalen und anderen Räumlichkeiten.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer eröffnete am Montag eine Ausstellung mit politischen Karikaturen im Hohen Haus. Zehn Karikaturisten und eine Karikaturistin, die alle für österreichische Tageszeitungen arbeiten, zeigen drei Monate lang eine Auswahl ihrer Werke.

Ganz unterschiedlich im Stil, geben sie zielsichere visuelle Kommentare zum aktuellen politischen Geschehen ab. Der Andrang bei "der ersten Karikaturen-Ausstellung im Parlament" war jedenfalls enorm. Nationalratspräsidentin Prammer konnte unter anderem ihren Amtsvorgänger Andreas Khol, zahlreiche aktive Abgeordnete und die neue Kunstkuratorin des Hohen Hauses, Mumok- Chefin Karola Kraus, sowie neun der elf KarikaturistInnen begrüßen. Das Parlament als politischster aller Orte sei geradezu prädestiniert für eine solche Ausstellung, hielt Prammer fest und wies auf die wichtige Rolle der Medien bei der Kontrolle der Politik hin. Dabei kommt ihrer Ansicht nach auch der Karikatur eine besondere Funktion zu.

Für Prammer sind Karikaturen jedoch nicht nur politische Kommentare, sondern auch Kleinkunstwerke, deren Qualität darin besteht, Wesentliches von Nebensächlichem zu trennen und Dinge mit künstlerischer Präzision auf den Punkt zu bringen. Bei der Ausstellung werde ein weiter Bogen gespannt, nicht nur was die Themenwahl betrifft, sondern auch in Bezug auf den künstlerischen Zugang, hob sie hervor.

Michael Frank, langjähriger Österreich-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, merkte in seinen Worten zur Ausstellung an, dass die überwiegende Zahl der Karikaturisten in Deutschland Österreicher seien. Er führt das darauf zurück, dass die Österreicher den Deutschen, was den abgründigen Witz betrifft, überlegen seien. Die schreibenden Journalisten würden die Karikaturisten jedenfalls oft beneiden, führte Frank aus. Karikaturisten dürften nämlich stets überzeichnen und provozieren. Ihnen nehme es niemand übel, wenn sie Fragen stellten, ohne Antworten zu geben. Allerdings glaubt er, dass auch Karikaturisten manchmal verzweifelt sind, weil die Politik "eigentlich die bessere Satire ist" und an unfreiwilligem Witz und - unabsichtlicher - tiefgründiger Komik oft nicht zu überbieten sei.

Die rund 150 Karikaturen werden in einer Reihe von Ausschusslokalen, den Amtsräumen der Präsidentin und im Pressezentrum gezeigt. Zu sehen sind Werke von Rachel Gold, Daniel Jokesch, Michael Pammesberger, Gustav Peichl/Ironimus, Petar und Sinisa Pismestrovic, Silvio Raos, Erich BUL Schatz, Oliver Schopf, Markus Szyszkowitz und Thomas Wizany.

Aus dem Folder zur Ausstellung:

Eine aufgeklärte, wache Öffentlichkeit ist Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie. Die Machthabenden in Politik und Wirtschaft wollen kontrolliert und kritisiert sein, was eine wesentliche Aufgabe der Medien ist. In diesen kommt der Karikatur als Instrument der Politikkritik eine wichtige Funktion zu. Karikaturen sind visuelle Kommentare, die sich der Satire bedienen und auf ihre spezielle Weise aufdecken, entlarven, bloßstellen.

Zugleich sind Karikaturen Kleinkunstwerke. Deren Qualität besteht darin, dass sie Wesentliches von Nebensächlichem trennen, Dinge auf den Punkt bringen, bei aller Schärfe jedoch intellektuell sind. Erst künstlerische Präzision und feine, kluge Ironie lassen die Überzeichnung des Politischen zum treffsicheren Statement werden.

Das Parlament als der politischste aller Orte ist geradezu prädestiniert für eine solche Ausstellung, die auch für die Kritikfähigkeit von Politik steht. Zugleich fügt sie sich gut in die Serie von Präsentationen zeitgenössischer Kunst im Haus. Losgelöst von der Aktualität, erlangen die Karikaturen etwas Zeitloses, tritt das Künstlerische in den Vordergrund.

Ich freue mich über diese Premiere und wünsche dieser Ausstellung viel Interesse und ebenso erheiternde wie erhellende Einblicke.

Mag.a Barbara Prammer Präsidentin des Nationalrates

Rundgänge durch die Ausstellung werden bis 3. März jeweils an Samstagen angeboten, eine Voranmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. bzw. unter der Telefonnummer 01- 40110/2400 ist unbedingt erforderlich.

Daneben sind eine Auswahl der Karikaturen auf der Website des Parlaments abrufbar.


 

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